Bericht zur Antifademo am 08.03.2008 in Dessau

120 Neonazis marschierten unter dem Motto: „Unsere Herzen sehnen sich nach Gerechtigkeit, nicht nach Rache“ am 08.03.2008 durch Dessau, um den Deutschen Opfern zu gedenken die durch die Bombardierung von Alliierten am 07.03.1945 ums Leben gekommen sind.

150 Antifas auf der Gegendemonstration zu der die „AG Operation Taschentuch“ aufgerufen hatte und ca. 300 Bürger auf der Kundgebung des BgR Dessau-Rosslau.

1200 Beamte aus dem gesamten Bundesgebiet riegelten die Stadt ab und verhinderten jeglichen Widerstand gegen die Faschodemo.

Vorfeld:

In den Tagen vor der Nazidemonstration wurde diese von der Stadt verboten! Die offizielle Begründung war:“Es sei ein zu schwerer Schlag gegen das Image der Stadt“, keine Rede davon das sie unerwünscht sind oder gar eine menschenverachtende Ideologie verbreiten wollen.

Die Anmelder Swen Behrendt (NPD Anhalt- Wolfen) und Alexander Weinert (Freie Nationalisten Aken/Elbe) legten beim Verwaltungsgericht Beschwerde ein. Wie so oft erlaubte das Gericht die Demo. Auch der Versuch vor dem Oberverwaltungsgericht ein Verbot zu erzwingen schlug fehl. In den Kooperationsgeschprächen zuvor wurden schon alle Gegenaktionen zeitlich oder räumlich gekürzt. Also ist davon auszugehen, dass „Team Green“ schon damit rechnete, dass die Faschos laufen.

Im Vorfeld waren kaum Aktionen von Links möglich, da in der Stadt mehr Zivis als Einwohner unterwegs waren. Immer wieder kam es vor das Klebetrupps durch die Stadt gejagt wurden. Schon am Tag vor der Demo waren mehrere Sixpacks von außerhalb unterwegs um Protest zu verhindern. Dennoch gelang es einer Gruppe von 15 Antifas sich an den bürgerlichen Gedenken in der Pauluskirche zu beteiligen. Dort angekommen wurden Flyer und Aufrufe verteilt, außerdem machte ein Transpi mit der Aufschrift: „keine Träne für Nazis“ auf den Geschichtsrevisionistischen Ansatz der Veranstaltung aufmerksam. Nach 5 Minuten waren auch schon die ersten Cops mit 2 Wagen vor Ort und störten die ruhige Zusammenkunft. Zudem hatten sie auch nichts Besseres vor als erst einmal Personalien festzustellen. Von den Bürgern wiederum wurde die Aktion wohlwollend aufgenommen.

Tag X:

Schon früh am Morgen wurden die Zufahrtswege in die Innenstadt von Polizeibeamten abgeriegelt. Straßenbahnen fuhren schon 9:30 Uhr nicht mehr. Und wenn man dann noch einen schwarzen Kappuzi an hatte, durfte man nicht einmal mehr auf den Bahnhof. Der ja bekanntlich Treffpunkt der Nazis sein sollte. Über 1200 Bullen aus dem gesamten Bundesgebiet ließen keinen Zweifel mehr daran, dass die Faschos mit allen Mitteln durch die Stadt laufen sollten. Am Rande der Musikkungebung vom „Beatclub“ gab es eine verbale Auseinandersetzung mit angereisten Nazis, die wohl ohne Polizeischutz etwas schlecht ausgesehen hätten. So auch die Gruppe „Freie Nationalisten Dessau/Anhalt“. Ihr Anführer Martin Vetter heulte so lange rum bis er Polizeischutz bekam und lief einen Umweg. Etwa zeitgleich sammelten sich weitere Antifas am Friedhof 3, welcher ziel von den Faschos war. Um 12:00Uhr sollte die Antifademo am Friedhof 3 starten, aber man wartete und wartete. Bis die Cops uns zwangen los zu laufen. Kurz nach 13:00 Uhr setzte sich die Antifademo in Bewegung, gut geschützt mit Doppelspalier und überflüssig viel Bullen. In diesem Moment sammelten sich etwa 120 Birnen am Westausgang des Dessauer Hauptbahnhofs und hielten ihre Auftaktkundgebung. Die Antifademo mit 150 Teilnehmern machte nach etwa 300 metern, Ecke Kabelweg eine Zwischenkundgebung, mit dem Ziel sich dort fest zu setzen und den Weg der Nazis zu blockieren. Darauf hin kesselten Bullen die Veranstaltung und machten mit Sixpacks hinter den Antifas dicht. Einige Kleingruppen von Antifas versuchten auf die Faschoroute zu kommen, was aber nur wenigen gelang. Die Bullen machten alle Wege die zur Faschoroute führten dicht, sogar in einer Gartenanlage waren BFE Einheiten stationiert. Die Nazis wurden parallel zur Antifaroute Richtung Friedhof 3 geleitet und schließlich an den gekesselten Antifas vorbei über eine kleine Seitenstraße zum Friedhof geschleust. Die Seitenstraße befand sich ca. 100 m vor dem Kessel. Als die Nazidemo ihren weg zurück lief, folgte parallel die Antifa Demo bis zur Museumskreuzung, wo nach ein paar Liedern und Redebeiträgen aus dem Lauti die Antifademo aufgelöst wurde. Der schwarze Mob machte sich auf den weg den Nazis wenigstens ihren Heimweg zu verderben. Auch dies war wieder ohne Erfolg. „Team Green“ machte sofort alles dicht und kesselte Kleingruppen in der Stadt. Ziemlich frustriert trat man den Weg ins AJZ an, wo veganes Essen vorbereitet war und man den Abend gemütlich ausklingen lassen konnte.

Bilanz:

An diesem Tag ging mal rein gar nichts in Dessau. Die Birnen konnten ungehindert marschieren, gut geschützt von den Cops, versteht sich. Es gab 2 Gewahrsamsnahmen aus dem linken Spektrum und mehrere beschlagnahmte Faustfahnen und Halstücher. Die bürgerliche Presse feiert dies, unter dem Motto: „Dessau hat Gesicht gezeigt“. Doch macht man sich mal nichts vor , dann weiß man das rechtes Gedankengut unweigerlich in die Mitte der Gesellschaft unserer Provinz Einzug gehalten hat, sonst wären es in einer Stadt mit fast 100000 Einwohnern wohl mehr als 200 Menschen auf einer Bürger- Kundgebung gewesen. Aber so ist es leider nicht. Deshalb ist es umso wichtiger sich in örtlichen Antifagruppen zu engagieren und zu Organisieren.

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